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Karla Start

ein Neuanfang mit Perspektive

Text: Judith Egelhof
Fotos: Erol Gurian

20. Januar 2026

Der Qualifizierungskurs Karla Start begleitet Frauen mit unterschiedlichen Biografien auf ihrem Weg in eine berufliche Zukunft. Der Kurs vermittelt digitale und organisatorische Kompetenzen, stärkt Selbstvertrauen – und schafft einen Lernraum, in dem individuelle Herausforderungen ernst genommen werden. Zwei Teilnehmerinnen erzählen, wie sie ihren Weg gefunden haben.

Nikol bei der reha-Ausbildung der diakonia

Karla Start – los geht's in Richtung Zukunft

"Also … das bin ich", sagt Ameera und klickt auf die nächste Folie. Auf der Leinwand erscheint ein Foto von ihr mit einem warmen Lächeln – aufgenommen während eines Ausflugs mit ihrer Familie. Diana, die eigentlich anders heißt, sitzt ihr gegenüber und nickt aufmunternd. Gemeinsam üben sie im Nebenzimmer des Computerraums die Abschlusspräsentationen, die in wenigen Tagen das Ende von zwölf intensiven Wochen markieren, zwölf Wochen im Kurs Karla Start. Drüben feilen die anderen Teilnehmerinnen an ihren letzten PowerPoint-Slides. "Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas mal kann", sagt Ameera leise und lächelt stolz.

Ein Kurs für den Neuanfang

Karla Start heißt das Qualifizierungsprojekt, das Frauen wie Ameera und Diana den Weg zurück ins Berufsleben ebnet. Seit zwölf Jahren bietet diakonia in München diesen Kurs an – für Frauen mit unterschiedlichen Lebenswegen, die gemeinsam an ihren beruflichen und persönlichen Zielen arbeiten.

Wir möchten, dass jede Teilnehmerin erkennt, was in ihr steckt", sagt Natalie Adel, Projektleiterin von Karla Start bei diakonia.
Im Unterricht ist volle Konzentration gefordert

Im Unterricht ist volle Konzentration gefordert:
Es geht um digitale Grundlagen – von Texten und Tabellen bis zu Präsentationen.

In zwölf Wochen erwerben die Teilnehmerinnen grundlegende digitale Kompetenzen: von Word und Excel über Online-Kommunikation bis hin zu PowerPoint. Sie lernen, Lebensläufe zu schreiben, Stellen zu recherchieren und üben Vorstellungsgespräche. Auch Themen wie interkulturelle Kommunikation, Selbstorganisation und Finanzen stehen auf dem Programm – immer mit Blick auf reale Anforderungen im Alltag und im Beruf.

Am Ende stellt jede Frau in einer persönlichen Abschlusspräsentation ihre Geschichte vor: Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo will ich hin?

"Wir möchten, dass jede Teilnehmerin erkennt, was in ihr steckt", sagt Natalie Adel, Projektleiterin von Karla Start bei diakonia. "Viele bringen enorme Lebenserfahrung mit, aber sie brauchen den Raum, diese Stärke auch in berufliche Perspektiven zu übersetzen."

Neue Tagesstruktur für Teilnehmerinnen

Nicht nur die Kursinhalte, auch die neue Tagesstruktur ist für viele Teilnehmerinnen eine Herausforderung.
Projektleiterin Natalie Adel steht jederzeit unterstützend zur Seite.

Das Team von diakonia versteht sich auch als Lotsinnen im Sozialsystem. So entsteht ein Netzwerk, das über den Kurs hinaus Orientierung bietet.

Struktur als Schlüssel – und Herausforderung

Der Kurs verlangt von den Teilnehmerinnen einiges: tägliches Kommen, konzentriertes Lernen, Austausch und Diskussion sowie Pünktlichkeit und Verlässlichkeit – Dinge, die für viele nach einer langen Auszeit oder vor dem Hintergrund familiärer Verpflichtungen oder persönlicher Belastungen nicht einfach und nicht selbstverständlich sind.

"Die Regelmäßigkeit ist für manche die größte Hürde", erklärt Natalie Adel. "Nach Jahren zu Hause oder in belastenden Lebenssituationen wieder einen strukturierten Tagesablauf aufzubauen, braucht viel Energie. Und gleichzeitig ist genau das eine wichtige Grundlage für den beruflichen Einstieg."

Deshalb ist ihr Team nicht nur für den Unterricht da, sondern begleitet die Frauen auch sozialpädagogisch durch den Kurs. Wenn Kinderbetreuung ausfällt, Behördentermine anstehen oder gesundheitliche Sorgen drücken, suchen sie gemeinsam nach Lösungen. "Wir haben Verständnis für die Lebensrealität der Frauen – aber wir brauchen Transparenz. Wenn etwas nicht klappt, müssen wir es wissen, damit wir unterstützen können."

Das Team von diakonia versteht sich auch als Lotsinnen im Sozialsystem: Sie helfen beim Kontakt mit Ämtern, beraten zu Weiterbildungsmöglichkeiten und vermitteln bei Bedarf an unterstützende Organisationen weiter. So entsteht ein Netzwerk, das über den Kurs hinaus Orientierung bietet.

Gemeinsam lernen, sich austauschen, Probleme lösen

Gemeinsam lernen, sich austauschen, Probleme lösen –
auch das üben die Teilnehmerinnen bei Karla Start.

Früher wusste ich nicht mal, wo ich anfangen soll – und jetzt arbeite ich ganz selbstverständlich am PC", erzählt Ameera.

Ameera – Neustart nach vielen Zwischenstationen

Für Ameera, 45, war der Schritt in den Kurs ein wichtiger Neubeginn. Nach ihrer Ankunft aus Jordanien arbeitete sie zunächst in verschiedenen Hilfstätigkeiten, meist in der Gastronomie, immer mit der Hoffnung auf eine feste Anstellung. Als sich diese Perspektive nicht erfüllte, übernahm sie hauptsächlich die Care-Arbeit für ihre Tochter. Tätigkeiten im Büro und mit dem PC hatte sie früher schon gemacht, doch nach vielen Jahren in anderen Bereichen fühlte sich vieles ungewohnt an – besonders der Umgang mit digitalen Werkzeugen. Auch sprachlich wollte sie sich weiterentwickeln.

"Früher wusste ich nicht mal, wo ich anfangen soll – und jetzt arbeite ich ganz selbstverständlich am PC", erzählt Ameera. Der Kurs gab ihr das Technikwissen, das sie für ihren beruflichen Neustart braucht – und neues Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Nach dem Kurs möchte Ameera unbedingt die schriftliche B2-Sprachprüfung nachholen und sich dann im Einzelhandel weiterqualifizieren, am liebsten im Modebereich. Ihre Präsentation trägt den Titel "Mein Weg zurück in den Beruf" – ein Weg, der für sie vor allem bedeutet, Selbstvertrauen und Orientierung zurückzugewinnen.

Vorbereitung Bewerbungsgespräch

Wie bereite ich mich auf ein Bewerbungsgespräch vor?
Das und vieles ist Teil des Unterrichts bei Karla Start

Digitale Arbeitsgeräte richtig nutzen

Digitale Arbeitsgeräte richtig zu nutzen, ist eine wesentliche Voraussetzung für den beruflichen Neustart.

Diana – ankommen, Verantwortung tragen, Zukunft gestalten

Diana, 32, steht heute vor ähnlichen Herausforderungen wie Ameera, auch wenn ihr Weg ein anderer war. 2013 kam sie aus Syrien nach Deutschland. Sie folgte ihrem Mann nach, der hier aufgewachsen war und bereits im Berufsleben stand. Die beiden haben zwei Kinder, 12 und 9 Jahre alt.

Diana lernte die deutsche Sprache schnell und bestand den Einbürgerungstest. Was ihr jedoch fehlte, waren digitale und berufspraktische Kompetenzen, die für eine verlässliche Erwerbsarbeit notwendig sind – besonders jetzt, da ihr Mann schwer erkrankt ist und nicht klar ist, wann er wieder arbeiten kann.

"Ich brauche eine Perspektive, damit ich meine Familie gut unterstützen kann", sagt Diana. Karla Start kam für sie genau zur richtigen Zeit. Sie schätzt besonders die Mischung aus digitalen Grundlagen, fachlichem Wissen und persönlichem, interkulturellem Austausch. Und die Module zu Online-Kommunikation und Bewerbungstraining waren für sie in mehrfacher Hinsicht wichtig: "Das ist mehr als Technik, jetzt traue ich mich, eigene Pläne zu machen."

Ihre Abschlusspräsentation heißt "Mein Leben in Bewegung". Darin spricht sie über ihren Weg, über Verantwortung – und über ihre Zukunftspläne. Eine Tätigkeit mit Kindern könne sie sich gut vorstellen; eine Ausbildung im sozialen Bereich wäre für sie ein realistischer nächster Schritt.

Umgangsregeln in der Gruppe

Umgangsregeln in der Gruppe sind wichtig, damit alle vom Kurs profitieren können.
Gleichzeitig wird so das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.

Das ist mehr als Technik, jetzt traue ich mich, eigene Pläne zu machen", freut sich Diana.

Begleitet und bestärkt

Das Team von diakonia begleitet die Teilnehmerinnen dabei individuell. "Jede Frau bringt ihre eigene Geschichte mit – und das ist eine Stärke", betont Natalie Adel. "Wir schaffen einen sicheren Raum, in dem Lernen Freude macht und Entwicklung möglich wird."

Am Ende des Kurses stehen nicht nur Zertifikate, sondern auch gewachsene Selbstsicherheit und klare Perspektiven. Manche Teilnehmerinnen finden direkt im Anschluss ein Praktikum oder eine Teilzeitstelle, andere starten in weiterführende Qualifizierungen.

Ein Schritt in die Zukunft

Als Ameera ihre Präsentation beendet, klatscht Diana begeistert. "Sehr schön!", sagt sie. Dann ist sie selbst dran. Karla Start ist für beide Frauen nicht nur ein Kurs, sondern ein Raum, in dem neue Wege beginnen – mit Laptop, Mut und einem klaren Blick nach vorn.

Mehr Infos und den Kontakt zu Karla Start gibt es hier:

Karla Start

Der Qualifizierungskurs Karla Start geht auf ein Konzept zurück, das vor über 20 Jahren bei der Inneren Mission e.V. entwickelt wurde. Der Name stammt aus dem Münchner Frauenobdach "Karla 51", wo deutlich wurde, dass vielen Frauen in sozialen Notlagen grundlegende Kompetenzen fehlen, um berufliche Sicherheit und Perspektiven zu erlangen.

2013 wechselte das Programm zu diakonia, dem sozialen Beschäftigungsunternehmen der Diakonie München und Oberbayern. Dort ist Karla Start eingebettet in ein Umfeld mit weiteren Angeboten zur beruflichen Orientierung und Qualifizierung.
Die Finanzierung des Programms erfolgt durch mehrere Partner. Ein Hauptförderer ist das MBQ – Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm. Zudem wurde der Kurs zuletzt vom Diakonischen Werk und der Stiftung Antenne Bayern hilft unterstützt.
Jährlich finden drei Kurse statt, jeweils über drei bis vier Monate. Die Teilnehmerinnen erwerben digitale Grundkompetenzen, stärken ihre Selbstorganisation und entwickeln berufliche Perspektiven.
Geleitet wird Karla Start von Natalie Adel, Kulturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt interkulturelle Kommunikation und systemische Beraterin.
Die Unterrichtsräume befinden sich in der Seidlstraße 4 – zentral gelegen, nur wenige Schritte vom Münchner Hauptbahnhof entfernt.